Natürliche Wandgestaltung

Natürliche Wandgestaltung
 
 
Wenn wir einen Raum streichen wollen, dann gehen wir meist in den nächsten Baumarkt und kaufen uns dort eine Wandfarbe. Die meisten dieser Wandfarben gaukeln uns durch aufgeklebte Blümchen, blauen Engeln und hochoffiziellen Gütesiegeln Natur vor, wo in Wirklichkeit nur die konkrete Nennung der Inhaltsstoffe gescheut wird. Aus guten Grund wohl, weil sich eine Liste über die Inhaltsstoffe lesen würde, wie eine wahllos herausgerissene Seite aus einem Chemikalienkatalog. Genauso nichtssagend und wenig hilfreich sind „Halbdeklarationen“ wie „Lebensmittel-Konservierungsstoff“ oder „natürlicher Emulgator auf pflanzlicher Basis“.
Die meisten Wandfarben enthalten Kunstharze, die sich statisch aufladen und mit einer natürlichen Umgebung nichts zu tun haben. Sie schaden uns langfristig mehr, als dass sie uns nützen, auch wenn stets behauptet wird, dass all die Inhaltsstoffe dieser Farben unbedenklich seien.
Alternativen dazu sind Naturfarben. Ihre Inhaltsstoffe basieren auf erneuerbaren Rohstoffen. Die Wasserdampfdurchlässigkeit besteht bei Naturfarben zu 100%, da sie keine "dicht machenden", synthetischen Bindemittel enthalten und die Oberflächen laden sich nicht statisch auf.
Naturfarben bestehen aus 100 Prozent natürlichen Rohstoffen, wie Öle und Wachse, Harzstoffe, Füllstoffe, Pigmente. Die Naturfarbenhersteller haben sich wieder auf die Wurzeln der Farben besonnen: Kreide, Kalk, Lehm, Holz, Leinöl und Kasein sind seit Alters her die Stoffe aus denen Anstrichstoffe gerührt wurden.
Einen einzigen Nachteil haben diese Farben: Sie sind meist recht teuer. Dabei kann man sich eine natürliche Wandfarbe sehr billig und auch einfach selber herstellen.
 
Hier mal ein Rezept für eine Kaseinfarbe
 
- Einen leeren Kessel etwa zur Hälfte mit Wasser füllen
 
- Einen Sack Kreidepulver vom Baumarkt (nicht von der Drogerie, dort kostet es das Vielfache) langsam ins Wasser geben und ein paar Stunden stehen lassen ("einsumpfen"), dann mit einem Rührholz oder Mischgerät (da gibt es so kleine Propeller, die man in jede Bohrmaschine einspannen kann) verrühren, bis ein zähflüssiger Kreidebrei entsteht. Nicht den ganzen Sack auf einmal hinein geben, sondern nur soviel, wie es braucht. Umrühren kann man auch vorher, aber mit dem Einsumpfen spart man sich Arbeit. Naturfarbenmalerei hat immer auch mit gutem Zeitmanagement zu tun, ein weiterer Grund, weshalb es vergessen ging. Wer hat heute schon Zeit bzw. kann sich die Zeit einrichten?
 
- In die Kreidepaste ein paar Tropfen ätherisches Öl dazugeben. Das ist das natürliche Konservierungsmittel. Kühl und dunkel gut verschlossen gelagert hält das mehrere Wochen, sogar Monate.
 
- 100g Borax (Borsalz) in der Apotheke oder Drogerie holen, und in warmem Wasser auflösen
 
- Dieses gelöste Borax in 2 kg Magerquark geben und mit Rührholz oder Schwingbesen langsam und gemächlich rühren. Wenn man zu stark rührt, wird der Kaseinleim zu flüssig. Er sollte leimartig, einigermassen zähflüssig sein. Bitte nur Magerquark nehmen, denn wir wollen nur das Eiweiss der Milch, nicht das Fett.
 
- Auch in den Kaseinleim etwas ätherisches Öl zugeben. Auch er hält kühl und gut verschlossen aufbewahrt eine Woche oder mehr.
 
- Cellulosepulver vom Baumarkt oder Drogerie in einem weiteren Kessel mit ein paar Litern Wasser mit Schwingbesen zu einem gallertartigen Leim vermischen. Eine Stunde stehen lassen. Auch etwas ätherisches Öl zugeben.
 
- Einen leeren, großen Eimer bereitstellen, und 1/3 Kreidepaste, 1/3 Celluloseleim, und 1/3 Kaseinleim hinein geben. Das Verhältnis kann mit Daumen über Pi ermittelt werden, es muss nicht exakt sein. Wenn man merkt, dass die Farbe zu wenig bindet, einfach noch etwas Kaseinleim zugeben. Und wenn man merkt, dass die Farbe zu hohe Spannung hat nach dem Trocknen (Risse), etwas Kreidepaste zugeben. Wenn die Farbe zu dick ist, etwas Celluloseleim zugeben (nicht Wasser). So kann man die Farbe mit mehreren Tests exakt einstellen. Experimentieren Sie ruhig einmal. Man mischt die Farbe, macht ein Muster an der Wand, wartet bis es trocken ist (ein Haarfön kann da verwendet werden), und korrigiert nach falls nötig.
 
- Es bietet sich an, die Farbe mit einer breiten Bürste in einer liegenden 8 aufzutragen. Roller und so geht auch, aber man hat die Bewegung nicht drin – Bürsten sieht natürlicher aus. Mit der Bürste von unten nach oben arbeiten, also von links unten bis rechts oben, die Bürste locker in der Hand, mit Schwung und Rhythmus, nicht mit Kraft und Anstrengung. Bei einer Pause oder nach der Arbeit den Farbkessel zudecken, es ist schon vorgekommen, dass Hunde die Farbe weggeschlappt haben.
 
 
Es mag zuerst erscheinen, dass die Farbe überhaupt nicht deckt. Im feuchten Zustand kann man tatsächlich durchsehen. Aber wenn sie trocknet, deckt sie recht gut. Ein zweiter Anstrich kann nach ein bis zwei Stunden erfolgen, je nach Temperatur und Lüftung. Man wird das Kasein im Raum riechen können, nachdem die ätherischen Öle verpufft sind, und das wird auch ein-zwei Wochen
noch schwach wahrnehmbar sein. Nachher nicht mehr. Die Werkzeuge können im gewöhnlichen Spülbecken ausgewaschen werden, das ist alles unbedenklich.
Kreide hat reinigende Wirkung, also man tut sogar noch was gutes für die Kläranlage. Farbreste können problemlos in der Natur ausgeleert werden – also auch auf den Kompost.
Rühren Sie immer nur soviel Farbe an, wie Sie brauchen. Denn die angemachte Farbe hält nicht sehr lang – nur 2-3 Tage. Ich habe zwar schon erlebt, dass sie mehrere Monate gehalten hat, aber das sind eher seltene Ausnahmen. Da stimmte wohl alles, sauberes Arbeiten (keine Keime), Granderwasser, gutes ätherisches Öl, wenig Luft zwischen Deckel und Farbe, der richtige Standort, kein Sonnenlicht, und nicht zu warm. So kann man die natürlichen Zerfallsprozesse hinauszögern.
 
Technisch gesehen spielt es keine große Rolle, welche ätherischen Öle man verwendet. Wenn man für sich selbst malt, dann nimmt man natürlich diejenigen, die man mag. Nicht jeder mag Nelkenöl (das übrigens sehr gute konservierende Eigenschaften hat), während Lavendel in der Regel gut
ankommt.
 
Will man die Kaseinfarbe verstärken, also abriebfester machen (z.B. fürs Kinderzimmer), kann man eine Emulsion herstellen. Das geht so: in den fertigen Kaseinleim Sonnenblumenöl oder Leinölfirnis unter langsamem, stetigen Rühren tropfenweise zugeben, wie bei der Majonnaise. Nach einer Weile kann man das Öl in einem dünnen Faden zugeben, man merkt schon, wann
das der Fall sein wird. Von der Menge her nicht mehr als 10%. Das ergibt dann, mit den anderen zwei Komponenten vermischt, eine Kaseinemulsionsfarbe.
Diese Farbe kann auch für Holzwerk verwendet werden. Wichtig: Kaseinfarbe nicht in Feuchträumen verwenden. Die Kreide nimmt soviel Wasserdampf auf (hervorragender Klimaregulator), dass das Kasein nie richtig durchtrocknen kann. Das kann dann vom Geruch her sehr unangenehm werden. Also, in Badezimmer und Küche Leimfarbe, Naturharzfarbe, oder Kalkfarbe verwenden.
 
Wenn Sie ihre Farbe abtönen möchten, dann können Sie in diese Farbe sehr gut Erdpigmente geben, die es in vielen Farbtönen im Naturfarbenhandel zu kaufen gibt. Eine Kalkkaseinfarbe ist jedoch auch ideal zum Lasieren mit Pflanzenfarben geeignet.
 
Christa Jasinski und Ph.S.