Verlust

Kann man mit so einschneidenden Erfahrungen wie dem Verlust eines Kindes umgehen? Was bedeutet damit umgehen, weiter leben, irgend wann wird es wieder besser ? Verluste lassen sich nicht leugnen oder verdrängen. Sie sind Teil unseres Lebens geworden. Verdrängen wir diese Erfahrungen, werden sie zu immer wieder kehrenden Erfahrungen die immer wieder hervortreten. Leider haben die meisten den Umgang mit der Trauer dem Verlust nicht vermittelt bekommen. Meist fehlt das Umfeld das mit einem die Trauer durchlebt stützt wenn man zu fallen droht. Einem die Hand zur Stütze reicht in dieser Zeit. Früher waren das die Familien. Heute sind die meisten damit allein gelassen. wir können nicht mehr damit umgehen auch nicht wenn wir selbst diejenigen sein könnten die mit dem Trauernden diesen Prozess durchleben und ihn stützen.

Wir haben Angst vor Emotionen, denn Emotionen sind ein Zeichen von Schwäche. Wir wollen, müssen stark sein. Für uns war es ein schwerer Schritt unserer kleinen Tochter mitzuteilen, dass ihr Bruder nun im Himmel ist. Wie geht man damit um? Man geht nicht damit um, man geht gemeinsam als Familie durch. Trauert und weint. Mehr bleibt einem in solchen Momenten nicht. Ein ungarischer Musiker der spirituelle Musik macht, meinte einmal, Weinen entgiftet das Herz. Umgekehrt bedeutet das, ungeweinte Tränen bleiben als Gift in unserem Herz. Also weinen wir wenn uns nach Weinen ist aber lassen wir uns nicht von der Trauer auffressen.

Der Verlust ist ein Teil unserer Biographie geworden. Nichts wird daran etwas ändern. Glauben wir an eine höhere Macht, dann ist kein Leben umsonst gelebt, es muss also einen Sinn haben was in unserem Leben passiert. Aber vielleicht kommen wir in diesem Leben nicht mehr dahinter welchen Sinn es haben sollte. Für mich, für uns ist es zum jetzigen Augenblick sehr schwer einen Sinn darin zu sehen, das mag ich nicht in Frage stellen.

Trauer beinhaltet die Gefahr anzufangen in der Vergangenheit zu leben. Immer nur daran zu denken welche schönen Momente wir erlebt haben. Aber das sind keine Verluste, sondern diese Erlebnisse hatten wir, sie sind ebenso Teil unseres Lebens. Schöne und weniger schöne Momente. Was unser Herz schwer werden lässt sind die Annahmen, dass wir eine Unzahl an schönen Momenten in der Zukunft erleben würden. Woher wollen wir das wissen? Es sind nur Vorstellungen über eine Zukunft. Nur diese Zukunft wird mit Sicherheit nicht eintreten - das macht uns betroffen und traurig. Dazu kommt das Gefühl Dinge nicht zu Ende gebracht zu haben. Nicht alles gesagt zu haben.

Niemand wird "alles" sagen können. Denn in jeder neuen Situation gibt es "neues" zu sagen. Dazu kommt, wir sind Menschen, wir sind nicht perfekt, in der Trauer wäre ich aber gerne in der Vergangenheit perfekt gewesen. Als Vater als Freund oder bei anderen Betroffenen ist es der Partner, Geschwister, Eltern usw. Wir sind Menschen, wir können uns immer nur bemühen und trotz allem werden wir immer wieder Fehler machen.

Wir müssen lernen die Verluste als solche in unser Leben zu integrieren. Früher gab es in den Häusern eine Ahnengalerie. Man hatte einen Hausalter und vieles hatte damit zu tun diejenigen als Bestandteil des eigenen Lebens zu integrieren die einem voraus gegangen sind. Heute sind viele dazu übergegangen die Erinnerungen wegzuräumen um nicht an den Verlust denken zu müssen. Damit aber räumen wir auch einen Teil unseres eigenen Lebens weg.

Trauer und Schmerz sind Bestandteil eines Verlustes, aber dies darf nicht den Rest des Lebens bestimmen. Wir haben einen Lebensauftrag und der kann nicht erfüllt werden, wenn wir unser Leben in der Trauer verbringen.

Kategorie: